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An das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung Herrn Wolfgang Tiefensee
Sehr geehrter Herr Bundesminister,
die Interessengemeinschaft der Unternehmerverbände Ostdeutschlands und Berlin ist sehr besorgt, dass der Sitz des größten Konzerns in den neuen Bundesländern verloren gehen könnte. Wie Sie sicherlich wissen, tobt zur Zeit unter den Gesellschaftern der Verbundnetz Gas AG (VNG) mit Sitz in Leipzig ein Kampf um die Kontrolle des Unternehmens. Sowohl die ostdeutschen Ministerpräsidenten, als auch Bundestagsabgeordnete aller im Parlament vertretenen Fraktionen haben die Befürchtung, dass der Sitz des Konzerns von Leipzig nach Oldenburg wandern könnte. Für Ostdeutschland wäre das ein herber Schlag, weil damit hunderte von Arbeitsplätzen auf dem Spiel stehen, erhebliche Steuereinnahmen wegbrechen und auch Wertschöpfung für die gesamten neuen Länder vernichtet würde. Damit wäre wieder ein Stück Erfolgsgeschichte in Ostdeutschland besiegelt, wo ohnehin kaum Konzernzentralen ansässig sind. Leider haben Sie sich als zuständiger Minister für den Aufbau Ost zu diesem Thema noch nicht eindeutig in der Öffentlichkeit positioniert, obwohl dies um so wichtiger wäre, weil VNG als Leuchtturm in der Energiewirtschaft über die Ländergrenzen hinaus eine Sogwirkung für die Entwicklung der ostdeutschen Wirtschaft behalten muss. Wie Sie sicherlich wissen, sollte VNG nach der Ministererlaubnis aus dem Jahre 2002 zu einem der führenden deutschen Versorger aufsteigen. Ihr Parteifreund Alfred Tacke sprach damals sogar von der fünften Kraft auf dem deutschen Energiemarkt. VNG sollte aus Sicht der Bundesregierung als eigenständiges Unternehmen erhalten bleiben und zum Wettbewerber des Marktführers Ruhrgas mit Unterstützung eines strategischen Investors ausgebaut werden. Sechs Jahre nach dieser Entscheidung ist dies bislang nicht geschehen. Im Gegenteil: Allem Anschein nach versucht der Hauptaktionär EWE jetzt eine feindliche Übernahme und gefährdet damit ostdeutsche Interessen; wie schon der ehemalige sächsische Ministerpräsident Georg Milbradt vor kurzem eindeutig analysiert hat. Als besonders gefährlich beurteilen wir die EWE-Aktivitäten, kommunale VNG-Anteile aufzukaufen, um die Sperrminorität der Städte und Gemeinden im Aufsichtsrat der VNG zu brechen und sich die Kontrolle über den größten ostdeutschen Versorger zu sichern. Für uns als ostdeutsche Unternehmerverbände sind in diesem Zusammenhang zwei Faktoren wesentlich: Zum einen muss die Politik die im Zusammenhang mit der damaligen Ministererlaubnis ihr gegebenen Zusagen auch einfordern, um Ihre Glaubwürdigkeit unter Beweis zu stellen und darf nicht den Eindruck erwecken, dass die Interessen von Großkonzernen über denen des Allgemeinwohls stehen. Zum anderen hat Sie natürlich die Verpflichtung, die Zusagen für den Aufbau Ost auch konsequent durchzusetzen. Die Ministererlaubnis für die Übernahme von Ruhrgas durch e.on ist trotz der kartellrechtlichen Bedenken aus nationalem Interesse erteilt worden. Der gleiche Maßstab ist auch nach unserer Auffassung im Fall VNG gegeben, damit dieses Unternehmen als Zugpferd für die Entwicklung der mittelständischen Wirtschaft weiter in Ostdeutschland wirksam ist. Deshalb erwarten wir von Ihnen, sehr geehrter Herr Bundesminister, dass Sie sich in Ihrer Verantwortung als zuständiger Minister für den Aufbau-Ost auch für die ostdeutschen Interessen einsetzen und nicht nur die Eigenständigkeit des Konzerns bewahren, sondern auch dessen Entwicklung zur fünften Kraft auf dem Gasmarkt zur Chefsache machen. Der Osten Deutschlands darf nicht auf unabsehbare Zeit weiter am Tropf des Westens hängen. Würde VNG, als ostdeutscher Konzern in einem westdeutschen kommunalen Konzern aufgehen, dann konterkariert dies alle Bemühungen seit der deutschen Einigung.
Mit freundlichen Grüßen Hartmut Bunsen Sprecher der InteressengemeinschaftArtikel vom: 06.06.2008 ...zurück
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